18. April 2017

Fernweh...oder die Sehnsucht nach Leben





"In der Brust
brennt ein Feuer.
Nenne es Sehnsucht,
nenne es Fernweh.
Doch die volle Wahrheit verlangt,
daß du es nennst:
Sehnsucht nach Leben
."
© Dr. Carl Peter Fröhling
(*1933), deutscher Germanist, Philosoph und Aphoristiker


 

 

 

 

 

Fernweh...

Der Schmerz nach Ferne, die Sehnsucht, neue Ufer zu sehen.

Geht es Dir auch so? Nach einer Weile im täglichen Leben zieht es Dich weg. Du wünschst Dich an den Strand mit türkisfarbenem Wasser, braungebrannten Surferboys, einer Cocktailbar in Form einer Kokosnuss, an der wunderschöne Frauen in Hula-Röckchen bedienen.
Abends ein Lagerfeuer, jemand spielt Gitarre und singt, Du lehnst Dich entspannt zurück, um den Sternenhimmel zu betrachten und
.....rums.....
liegst Du auf dem Boden Deines Büros. So viel Entspannung war zu viel für Deinen Schreibtischstuhl.


Wir sehnen uns also nach einem Ortswechsel.
Wir haben verlernt, hier und jetzt zu entspannen. Stehen unter Dauerstress. Nur die Auszeit an einem anderen Ort kann uns das Wohlgefühl geben. Den Abstand zum Alltag bescheren. Uns ein gefühl von Freiheit bringen.



Wenn wir reisen, ändern wir unseren Blickwinkel

Wir schauen von einem anderen Ort auf die Welt, sehen andere Lebensweisen und treffen auf interessante Menschen. Wir haben Zeit, von anderen Blickwinkeln an unsere Gedanken ranzugehen, uns überhaupt mal mit uns selbst zu beschäftigen.
Reisen erweitert unseren Horizont. Nicht nur im wortwörtlichen Sinne.



Fernweh ist der tiefliegende Wunsch nach Veränderung

Im Alltag können wir diesem nur selten nachgehen. 
Da ist die Angst, dass wir etwas verlieren, dass etwas schief geht, dass uns eine Veränderung noch unglücklicher macht, als wir im aktuellen Zustand der Stagnation sind, der aber eben gewohnt und dadruch erträglich ist.

Fernweh ist die Sehnsucht, etwas anderes, als das Gewohnte zu sehen und zu fühlen. Kleine Ausschläge in unserem monoton vor sich blubbernden Langzeit-EKG zu verursachen. Höhen zu erleben, Gefühle intensiv wahrzunehmen, sich selbst zu spüren.

Wir neigen dazu, uns nur auf das Bekannte zu konzentrieren. 



Warum sind Kinder so ausgelassen und fröhlich, so unbeschwert?

Klar, sie müssen keine Rechnungen zahlen, würde jetzt der Pragmatiker raushauen.
Aber wesentlich wichtiger, sie haben noch keine Routine im Kopf. Sie entdecken jeden Tag Neues, gehen mit offenen Augen durch die Welt, scheuen sich nicht, Fragen zu stellen, wenn sie etwas nicht wissen.
Sie sind neugierig!

Wir nehmen kaum noch etwas wahr, sind völlig abgestumpft. Der Weg zur Arbeit jeden Tag....wann sehen wir ihn bewusst? Wir bemerken höchstens, wenn sich etwas verändert. Wenn das große Einkaufszentrum an der Ecke abgerissen wurde, oder wir uns über eine neue Baustelle aufregen können. (Ändert aber auch nichts, macht uns nur schlechte Laune)
Aber sehen wir noch, dass die Straße von Bäumen gesäumt ist, die gerade die ersten Knospen schieben?
Sehen wir noch, dass der Fahrer neben uns fröhlich zu seiner Musik singt und ihm das Leben Spaß zu machen scheint?
Sehen wir noch, dass vor uns einer freundlich handelt und einen anderen vor lässt?
Und falls wir es doch wahrnehmen, erwärmt es unser Herz noch?
Berührt es uns?

Kinder staunen. Sie lassen sich von den kleinen Dingen im Leben faszinieren und berühren. Sie sehen in für uns alltäglichen Dingen kleine Wunder.

"Die Glücklichen sind neugierig.“
Friedrich Wilhelm Nietzsche
(lese hierzu meinen Post über Glück)

Reisen ist eine Möglichkeit, der inneren Sehnsucht nachzukommen.
Eine andere ist, wieder Kind zu sein. Mit Neugier durch die Welt zu laufen und zuzulassen, dass uns kleine, banale Dinge berühren. Vielleicht auch selbst hin und wieder durch ein Lächeln für Fremde oder eine Tat der Freundlichkeit dafür zu sorgen, dass andere Momente erleben, die sie berühren. Und man selbst auch. Ein Doppelgewinn.



Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen“ (Friedrich Schiller)

Wenn Du jemanden in der U-Bahn triffst, der Dir zehn Minuten das Ohr abkaut, kannst Du Dich drauf konzentrieren, wie nervig das alles ist, dass er Dir Deine Zeit raubt und Du sauer bist, weil Du eigentlich Musik hören wolltest, anstatt Dir seine Banalitäten anzuhören. (Siehe: Wenn's mal nicht rund läuft)
Oder Du nimmst Die Situation als Möglichkeit, etwas von einem fremden Menschen mitzubekommen. Einen Einblick in die Denkweise einer anderen Person zu erlangen. Denkanstöße zu bekommen, unter Umständen sogar ein tolles Gespräch zu führen, wenn Du nicht nur kurz mit Schnaufen oder einem pissigen „Ja“ antwortest.

Wenn Du eine Straße entlang läufst, kannst Du Dich auf den grauen Beton konzentrieren, die lauten Autos und den Gestank der Abgase und der Pisse in den Ecken.
Oder Du konzentrierst Dich auf die kleine Blume, die durch den Asphalt bricht, den Aufkleber am Laternenpfahl auf dem mit pinken Buchstaben „be happy“ steht und die alte Dame, die Dir beim Schließen ihres Kofferraums freundlich zulächelt.


Sei Du das Strahlende und lass Dich nicht von anderen oder der Welt schwärzen :)


Die Kunst, 

aus langweiligen, monotonen Abläufen Erlebnisse zu machen, 

ist ihnen mit Neugier und Aufmerksamkeit zu begegnen. 

Die Schönheit und die Wunder der Welt zu fühlen.